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Spiritueller Lifestyle
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08.11.2022

Sacred Sexuality – Wie wir Sexualität völlig neu erleben können

Sexualität als intime Verbindung mit der Göttlichkeit in uns selbst und im anderen. Ein grenzenloses Potenzial für Selbsterkenntnis, Kreativität und wahrhaftige Liebe.
Phi mit Team

Sex ist schmutzig, anrüchig, irgendwie falsch. Ein Tabuthema, über das man nicht spricht. Damit ist das landläufige Verständnis von Sex in einer römisch-katholisch geprägten Gesellschaft eines der größten Missverständnisse überhaupt. Wie kommt es, dass etwas so Natürliches, zutiefst Ursprüngliches und im wahrsten Sinne des Wortes Lebensnotwendiges wie Sex ein so verkehrtes Image hat?

Weil es, richtig praktiziert, dem Menschen die direkte Erfahrung des Göttlichen ermöglicht und – sagen wir einmal so – manche Instanzen und Institutionen damit ein Problem haben. Wer braucht noch einen Priester als Vermittler zwischen Mensch und Gott, wenn wir in der heiligen Verbindung miteinander erfahren, dass Gott in uns allen wohnt?

Hier geht es nicht um den Glauben oder die Kirche und schon gar nicht um die Bewertung einer Glaubensrichtung. Hier geht es um das, was alle Glaubensrichtungen eint, eine tiefe Verbindung mit dem Leben selbst. Um ein Fest purer kosmischer Energie, die durch den menschlichen Körper fließt, um eine Intimität jenseits körperlicher Befriedigung. Es geht um die Vertiefung unserer Verbundenheit mit dem Geist der Liebe, der allem Leben zugrunde liegt.

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Was ist heilig?

Sacredness – das Heilige in den Dingen – wird oftmals gesehen als etwas, das sich vom Gewöhnlichen unterscheidet. Als etwas Höheres, das damit impliziert, dass es getrennt von uns existiert. Dabei limitieren wir mit diesem Verständnis unsere göttliche Natur, ist das Heilige, das Göttliche, doch von Natur aus ein untrennbarer Teil von uns. Oder etwa nicht? Entspringen wir nicht alle – wie auch jedes andere Wesen, jede Pflanze, jeder Stern – einer kosmischen Intelligenz, die sich über ein unendliches Potenzial an Kreativität als Materie manifestiert?

Sexuelle Energie – die Quelle allen Lebens

Diese göttliche Kreativität können wir in unzähligen Erscheinungsformen bewundern – in der Natur, am Sternenhimmel und in unserem eigenen Spiegelbild. Ein menschlicher Körper als Heimat der Seele, entstanden durch die heilige Verbindung zweier Menschen. Damit sind sexuelle Energie, spirituelle Energie und kreative Energie Teile eines großen gemeinsamen Ganzen – reiner Ausdruck kosmischer Lebenskraft.

Wenn du dich kreativ ausdrückst, entfaltest du deine sexuelle Energie, die in deinem Sakralchakra im Genitalbereich wohnt. Wenn du beim Sex in völliger Ekstase die Zeit vergisst, ist das ein zutiefst kreativer Akt, in dem zwei göttliche Wesen neues Leben erschaffen (können).

Zu diesem Ursprung unserer eigenen Lebendigkeit können wir zurückkehren, wenn wir Sexualität als Portal verstehen, das uns die Erfahrung des Transzendenten ermöglicht, des Mystischen. Der erste Schritt zur Öffnung dieses Portals ist eine bewusste Differenzierung zwischen

a) Sex als körperlichem Akt, als Mittel zur Befriedigung körperlichen Verlangens nach Lust, Vergnügen, genitaler Stimulation und bloßer Fortpflanzung

b) Sex als heiligem Pfad der Selbsterkenntnis, als spiritueller Praxis und Gate zur mystischen Erfahrung des Transzendenten, in der wir uns verbunden fühlen, zutiefst erfüllt und als ganzer Mensch geliebt. Ein Weg, der aus Dualität und Separation direkt in die heilsame, liebevolle und vollkommene Einheit führt.

Sex ist eine Kernfunktion des Mensch-Seins – und so viel mehr!

Nicht nur belegen zahlreiche Studien, dass Sex unser Immunsystem stärkt, für besseres Wohlbefinden sorgt, deutlich mehr Glückshormone, mehr Vitalität und eine längere Lebenserwartung zur Folge hat. Sondern es ist auch eine immense, universelle Kraft, die deinen Geist als göttliche Essenz mit deinem Körper vereinigt.

Damit dies möglich wird, ist ein weitaus tieferes Verständnis davon notwendig, was Sex in Wirklichkeit ist. Denn in unserer modernen Gesellschaft ist Sex nicht nur ein Tabuthema, sondern auch grundlegend objektiviert. Der Fokus liegt im Außen, getragen von unrealistischen Erwartungen, gefördert durch die Porno-Industrie und fehlenden Austausch über Bedürfnisse, Ängste und Sehnsüchte. Denn: „Über Sex spricht man ja nicht.“

Viele Menschen haben Sex, sind aber nicht wirklich in Verbindung

Die Körper vereinen sich, aber die Spirits bleiben getrennt. Die Gedanken kreisen um die Einkaufsliste, das nahende Geburtstagsfest oder um den Performance-Anspruch an den/die Partner*in oder an sich selbst. Mache ich das gut? Bin ich richtig? Sieht mein Körper sexy aus? Eine Schwere auf den Schultern, Leistungsdruck, Versagensängste. Allzu oft schwingt Scham mit, eine der niedrigsten Schwingungen überhaupt – durchdrungen vom Dogma unserer Konditionierung, Sex sei etwas Verwerfliches. Diese weitverbreitete Praxis ermöglicht zwar die körperliche Befriedigung, nicht aber die seelische. Sie wird wahrscheinlich zum Orgasmus führen, dem aber allzu oft ein Gefühl der Leere folgt. Nicht erfüllt, eher oberflächlich. Ein kurzes Vergnügen, rein körperlich, wie bei Tieren.

Was fehlt, ist die bedingungslose Präsenz in diesem einen Augenblick, der die einzige Wahrheit ist, die wirklich existiert. Nur jetzt findet das Leben statt und erst die Präsenz ermöglicht uns die wahrhaftige Erfahrung des Lebens. Das gilt insbesondere für die Vereinigung zweier Menschen beim Sex – die dann zur Kommunion zweier Seelen wird. So kann Sexualität unsere weltliche Wirklichkeit transzendieren, unser Leben wie keine andere menschliche Erfahrung transformieren und einen Raum der Intimität zwischen dir und deinem/r Partner*in eröffnen, von dem ihr nicht wusstet, dass es ihn gibt.

Für Sacred Sexuality brauchen wir den entsprechenden Rahmen

Den inneren Rahmen in Form eines höheren Bewusstseins über Sexualität und der entsprechenden Absicht, gemeinsam mit der Partnerin, dem Partner oder auch alleine eine göttliche Erfahrung zu machen. Und den äußeren Rahmen, das richtige Setting, ein heiliges Forum für intime Begegnung. Diese Schritte helfen dir dabei, deine Intimität zu vertiefen.

1. Schaffe die richtige Umgebung, um das Göttliche einzuladen
Gestalte liebevoll den Raum mit Kerzen und Musik für die Sinne. Womöglich mit Rosenblättern auf einem Leintuch, das ausschließlich eurer liebevollen Intimität dient. Sei kreativ – alles ist erlaubt, was die Sinne anregt und eine harmonische Atmosphäre schafft.

2. Reinigung des Körpers
Nimm ein Bad, dusche ausgiebig. Reinige dich in dem Bewusstsein, dass du gleich Gott begegnest. Öle deinen Körper ein. Wenn du möchtest, mache dir die Haare, trage Make-up auf oder lege Schmuck an, wenn du dich damit wohl in deiner Haut fühlst. Nimm dir Zeit für dich. Trage ein Kleidungsstück, das dir lieb ist und deine Sinnlichkeit zum Ausdruck bringt. Ein Seidenkleid oder die besondere Unterwäsche, was auch immer sich stimmig anfühlt.

3. Verbinde dich mit deiner spirituellen Essenz
Nimm dich selbst wahr als einen Ausdruck des Göttlichen, als spirituelles Wesen, das eine menschliche Erfahrung macht. Erkenne Sex als unabdingbaren Teil deiner Seelenerfahrung an. Beobachte achtsam, ob Gefühle von Scham, Schuld oder Angst aufkommen.

Verbinde dich mit der sexuellen Energie in dir, atme in dein Sakralchakra und spüre die Weite rund um deinen Genitalbereich. Sex ist wundervoll, fantastisch, wild, natürlich und absolut großartig und du bist hier, um all diese Qualitäten der menschlichen Verbindung zu erfahren.

4. Verbinde dich mit der spirituellen Essenz in deinem/r Partner*in
So, wie du eine Manifestation des Göttlichen bist, ist es auch der Mensch, mit dem du intim werden möchtest. Würdige, wertschätze, respektiere dieses Wesen in seiner Vollkommenheit. Lasse jedwede Bewertung los, werde leer und offen für alles, was dieser Mensch in diesem Augenblick ist. Lasse die Verbindung zu deinem/r Partner*in die Verehrung des ganzen Universums sein. Ein Akt der Hingabe, der Ergebenheit vor seiner/ihrer göttlichen Essenz. Stellt euch mit einer entsprechenden Intention auf die richtige Schwingung ein.

Wenn du gerade Single bist, lass dich nicht davon abhalten, mit dir selbst in diese heilige Intimität einzutreten. Berühre dich auf neue Art und Weise, finde heraus, was dich erregt, was dir guttut, was du wirklich willst.

5. Beginnt den Akt mit einem Öle-Ritual
Begegnet einander von Stirn zu Stirn, ein drittes Auge berührt das andere. Nehmt synchron einige tiefe Atemzüge gemeinsam. Beginnt damit, euch gegenseitig mit ätherischen Ölen zu verwöhnen. Dafür eignen sich besonders gut die herzöffnende Rose, erdendes Zedernholz, sinnliches Ylang Ylang, reinigender Weihrauch oder entspannendes Sandelholz. Ölt euch gegenseitig ein am Scheitel, am Stirnchakra, rund um den Herzbereich und im Genitalbereich.

6. Sei völlig präsent
Gib dich mit Körper, Geist und Seele vollkommen diesem Augenblick hin. Nimm jede Berührung bewusst wahr, jeden Luftstrom von Ausatmung. Haltet immer wieder tiefen Augenkontakt in dem Bewusstsein, damit direkt in die Seele dieses Wesens zu blicken. Bewohne das Gefühl in jedem Moment, nimm deinen Körper in diesem Gefühl von innen nach außen wahr. Wenn du in Gedanken abschweifst, halte kurz inne und lade deine/n Partner*in zu einer Atemübung ein, einer kurzen Meditation – auch und vor allem, wenn ihr körperlich bereits vereint seid.

7. Folge deiner sexuellen Intuition
Lasse dich leiten von deinem tiefen Herzenswunsch, Intimität auf jedwede Art und Weise zu erfahren, zu der dich dieser Moment gerade einlädt. Folge dieser Führung. Lasse jeden Akt einzigartig sein. Lass die Konzepte los und alles, was war. Sei hier und jetzt. Tantrische Sex-Praktiken sind ein guter Startpunkt, wenn du tiefer eintauchen möchtest.

8. Die Erfahrung eines göttlichen Orgasmus
Nicht der Orgasmus ist das Ziel der Praxis. Was einzig und allein zählt, ist die gemeinsame Reise – von einem Moment zum nächsten. Wenn der Höhepunkt naht, praktiziert eine synchronisierte Atempause oder eine Meditation in Stille, anstatt gleich zu kommen. So lässt sich das Spektakel hinauszögern, mit Übung auch über viele Stunden. Entscheidet ihr euch für den Höhepunkt, stelle dir vor, wie du diese geballte Energie direkt in dein Herz ziehst. Spüre gleichzeitig die Erleichterung im Körper und die Glückseligkeit in deinem Herzen. Visualisiere dich und deine/n Partner*in als göttliche Einheit, durchdrungen von Licht und Liebe.

9. Das Seelenritual danach
Während ihr beide noch glüht vor Erfüllung und Verbundenheit, nehmt euch Zeit für Erfahrungsaustausch und offene Sharings aus dem Herzen. Vielleicht gönnt ihr euch dunkle Schokolade oder eine Tasse Kakao. Sprecht offen über eure Gedanken, Gefühle und womöglich über Herausforderungen. Über Wünsche und Sehnsüchte. Über Scham oder Zweifel, so sich welche gezeigt haben. Lacht gemeinsam darüber als Teil der Erfahrung und genießt die intime Erfahrung einer neuen, tieferen, göttlichen Verbundenheit.

Ich hoffe sehr, dass dich dieser Artikel dazu inspiriert hat, das althergebrachte Konzept von Sexualität für dich ein Stück weit zu transformieren und mit dem Göttlichen in dir selbst und deinem/r Partner*in auf neue Art und Weise intim zu werden. Erzähle uns in den Kommentaren, mit welchen Inhalten du besonders in Resonanz gegangen bist und – wenn du einige oder sogar alle der neun Schritte ausprobiert hast – was deine Erfahrung damit war.

PhiMa-Kolumnist
Jakob Horvat

Jakob ist Transformationscoach und Meditationstrainer, außerdem digitaler Nomade, Host des Podcasts "Thousand First Steps" und Autor von "Weltnah".

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